Montag, 8. April 2013

"Das letzte Hemd hat keine Taschen!"


sagt ein altes Sprichwort. Spätestens, wenn ein lieber Angehöriger gestorben ist, macht man sich Gedanken um eine würdevolle Bestattung. Wie soll die Trauerfeier gestaltet werden? Welche Lieder suchen wir aus? Soll der Tote in seiner Lieblingskleidung beerdigt werden oder in einem Leichenhemd?
Inzwischen gibt es sogar Designerhemden, die man sich schon zu Lebzeiten aussuchen kann. Kann man im Internet begutachten unter Leichenhemd.com. Die Seite wirbt für ihr Angebot mit dem Argument: „Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit nimmt ein Stück von dem Schrecken, den wir vor dem Sterben haben. Und sie bewirkt, dass man den Augenblick mehr genießt. Das ist ein schönes, beruhigendes Gefühl.“
Auch wenn sich die wenigsten Menschen in einem Designer-Totenhemd bestatten lassen werden, bleibt doch die Frage offen: Woher kommt eigentlich der Brauch, Menschen in weißen Gewändern zu beerdigen?
Einmal wird für jeden von uns
die letzte Stunde kommen...
Es hat etwas  - man glaubt es kaum - mit unserer christlichen Kultur zu tun. In den ersten Jahrhunderten der Christenheit wurden die meist erwachsenen Taufbewerber durch die Taufe in der Osternacht zu Christen. Sie wurden in einem Taufbecken komplett untergetaucht. Anschließend trugen sie ein weißes Gewand als Zeichen dafür, ein neuer Mensch in Christus geworden zu sein.
Dieses Taufgewand trugen sie voller Stolz eine ganze Woche lang, bis es am Sonntag nach Ostern wieder abgelegt wurde. Daher trägt dieser Sonntag in der katholischen Kirche noch heute den Namen „Weißer Sonntag“. Mit den weißen Kleidern der Erstkommunionkinder hat der Tag also nichts zu tun, auch wenn heute in vielen Gemeinde am „Weißen Sonntag“ Erstkommunion gefeiert wird.
Wenn der Neugetaufte am Ende eines christlichen Lebens dann verstarb, zog man ihm das Taufkleid wieder an und betete, dass der Herr durch den Tod an ihm vollenden möge, was er in der Taufe begonnen hat. Das weiße Gewand drückte aus, dass Gott uns in der Taufe ein Leben schenkt, das den Tod besiegt hat.
Weil mir dieser Brauch gefällt, möchte auch ich einmal in einem weißen Gewand bestattet werden. Es soll ausdrücken, dass ich zu Jesus Christus gehöre und mich auch im Tod zu ihm und dem Glauben an die Auferstehung bekenne. Doch warum hat dieses Hemd keine Taschen?
Die „Toten Hosen“ haben es in ihrem Song über den „Ehrenmann“ so erklärt: „Im Leben war er gierig, er wollte alles nur für sich. Das letzte Hemd hat keine Taschen, er nimmt bestimmt nichts mit.“
Jesus hat das schöner formuliert. Im Matthäus-Evangelium (6, 19-21) heißt es: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz!"
Gerhard Lenz (für GottinBerlin)
Bitten eines Sterbenden an seinen Begleiter
·    Lass mich in den letzten Stunden meines Lebens nicht allein. Bleibe bei mir, wenn mich Zorn, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung heimsuchen und hilf mir, zum Frieden hindurchzugelangen.
·    Denk nicht, wenn du ratlos an meinem Bett sitzt, dass ich tot sei. Ich höre alles, was du sagst, auch wenn meine Augen gebrochen scheinen.
·    Drum sage jetzt nicht irgendetwas, sondern das Richtige. Das Richtige wäre, mir etwas zu sagen, was es mir nicht schwerer, sondern leichter macht, mich zu trennen. So vieles, fast alles, ist jetzt nicht mehr wichtig.
·    Ich höre, obwohl ich schweigen muss und nun auch schweigen will.
·    Halte meine Hand. Ich will es mit der Hand sagen.
·    Wische mir den Schweiß von der Stirn. Streiche mir die Decke glatt.
·    Wenn nur noch Zeichen sprechen können, so lass sie sprechen.
·    Dann wird auch das Wort zum Zeichen. Und ich wünsche mir, dass du beten kannst. Klage nicht an, es gibt keinen Grund. Sage Dank.
·    Du sollst von mir wissen, dass ich der Auferstehung näher bin als du selbst.
·    Lass mein Sterben dein Gewinn sein. Lebe dein Leben fortan etwas bewusster.
·    Es wird schöner, reifer und tiefer, inniger und freudiger sein, als es zuvor war, vor meiner letzten Stunde, die meine erste ist.
Aus: An der Hand eines anderen sterben (IGSL Bingen)

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