Donnerstag, 25. April 2013

Sexuell missbraucht: Justin Biebers Mutter (1)

Ein Buch über sexuellen Missbrauch, Teenagerprobleme, Alkoholismus, Drogen, Kriminalität und ungewollte Schwangerschaft: Wer will so etwas lesen? Davon gibt es doch mehr als genug. Ich wurde durch die Nachricht einer Facebook-Freundin auf dieses Buch aufmerksam: „Hoffnung auf den zweiten Blick – Die Geschichte von Justin Biebers Mutter“. Nur ein PR-Gag, um Justin Biebers Tour zu promoten? Skeptisch begann ich zu lesen und konnte das Buch nicht mehr weglegen.
Pattie Mallette (Justins Mutter) will mit ihrem Buch Menschen Mut machen, die unter sexuellem Missbrauch und Angst leiden, sich verlassen und hoffnungslos fühlen. Ihr Vater war Trinker und sie quälte der Gedanke, nicht gewollt zu sein. Sie fühlte sich wie ein Betriebsunfall, eine Laune der Natur. Als sie zwei Jahre alt war, verließ ihr Vater die Familie und sie trauerte darum, keinen Vater zu haben, der sie „in den Arm nahm und mir das Gefühl gab, bei ihm geborgen zu sein“. Leider hatte das Leben auch ihrer Mutter die „Fähigkeit geraubt, mir emotionale Wärme zu schenken“.
Zu ihrem neuen Stiefvater Bruce, aber auch zum christlichen Glauben empfand sie nur Distanz: „Meine Geschwister und ich wuchsen als nicht praktizierende Katholiken auf. Wir besuchten keine Messe. Die Sonntage waren nicht dem Gottesdienst vorbehalten, sondern dienten meiner Mutter und Bruce als Tag der Erholung und Entspannung.“
Hinter der äußeren Normalität musste sie viele Jahre sexuellen Missbrauch erdulden: „In einem Alter, in dem die meisten Kinder noch auf Fahrrädern mit Stützrädern herumfuhren, wurden in meinem Leben die Türen der Sexualität weit aufgestoßen, und ich trat ein in eine Welt voller Scham, Manipulation und selbstsüchtigen Gelüsten.“
Aus Scham schwieg sie, bis ihr in einer Fernsehsendung gesagt wurde: „Sag nein. Und dann geh. Und erzähle es einem Menschen, dem du vertraust.“ Sie traute sich danach tatsächlich zu sagen: „Nein. Ich will das nicht mehr.“ Und der Täter ließ von ihr ab und berührte sie nie wieder. Doch von ihrem emotionalen Aufruhr war sie nicht befreit und verbrachte ihre Teeniejahre zum Großteil in ihrem Zimmer, bis sie anfing, sich im 8. Schuljahr mit den „falschen“ Mädchen abzugeben.
Mit vierzehn trank sie zum ersten Mal Alkohol und rauchte Haschisch. Bald probierte sie auch LSD aus: „Meine Trips führten mich ins Land der Wahnvorstellungen und Panikattacken.“ Sie begann mit Drogen zu dealen und schon bald tauchte die Polizei regelmäßig bei ihr zu Hause auf.
In dieser Zeit besuchte sie aber gern ihre Nachbarn, die ihr ein Stück Geborgenheit schenkten und Christen waren. „Doch trotz der guten Erfahrungen mit diesem Ehepaar ließ ich mich nicht auf eine reale Verbindung mit Gott ein... Weil meine Eltern sehr unnahbar waren, dachte ich, Gott sei auch so.“
Obwohl sie nach enttäuschenden Beziehungen „die Männer insgesamt“ hasste, verliebte sie sich in Jeremy. Auch er kam aus einem zerrütteten Elternhaus und hatte bereits mit sechzehn ein ernstes Alkoholproblem. Er verwandelte sich in einen Schuft, wenn er betrunken war. Dennoch erneuerte sie immer wieder ihre „Achterbahn-Beziehung“ mit ihm. Nach einem Streit mit Jeremy versuchte sie, ihr Leben durch einen Sprung vor einen Lieferwagen zu beenden. Aber auch der Selbstmordversuch misslang. Sie gestand ihrer Mutter aber, dass sie wiederholt missbraucht worden war „über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg durch Menschen, die wir beide kannten“. Die Mutter erklärte ihr: „So etwas habe ich auch erlebt, als ich klein war.“
Pattie wurde in die Psychiatrie eines Krankenhauses eingewiesen: „Wie so viele andere litt ich stumm und wusste nicht, wie ich mich aus der Grube der Verzweiflung ins Licht kämpfen sollte.“ Keiner ihrer Partyfreunde kümmerte sich mehr um sie. Nur John, den sie als Leiter eines  christlichen Jugendzentrums kennengelernt hatte, besuchte sie regelmäßig. Beim ersten Mal hatte er ihr eine Rose mitgebracht und erklärt: „Gott möchte dir sagen, dass er dich liebt. Für ihn bist du wie diese Rose: wunderschön.“
Sie hielt ihn mit seinem ständigen Gerede von Gottes Liebe für völlig übergeschnappt. Doch eines Tages schlug ein Satz von ihm wie ein Blitz bei ihr ein: „Wer völlig am Boden ist, kann nur noch in eine Richtung gehen: nach oben. Du willst doch sowieso nicht mehr leben – warum findest du nicht einfach heraus, was Gott aus deinem Leben machen kann?“
Sie probierte es aus: „Hm, Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann bete ich, dass du tust, was John gesagt hat. Hilf mir, mein Leben zu leben. Ich weiß nicht, wie ich das allein schaffen soll... Würdest du mir bitte alle meine Schuld vergeben?“
Gott erhörte ihr ehrliches Gebet und sie erlebte ihn als real. Pattie schildert ihre erste Begegnung mit ihm so: „Bitte entschuldigen Sie die kitschigen Details, aber es ist wirklich so passiert: Mit geschlossenen Augen sah ich ein Herz, das sich öffnete. Goldstaub fiel herab und füllte jeden Millimeter darin. Tief in mir wusste ich, dass es Gottes Liebe war. Als mein Herz rappelvoll war, schloss es sich und färbte sich schneeweiß. Ich fühlte mich völlig rein. Ich staunte und war mir bewusst: Gott ist bei mir... Ich fühlte in mir eine tiefe, unbeschreibliche Liebe!“
Sie begann, in der Bibel zu lesen und allen Menschen von ihren Glaubenserfahrungen zu erzählen, ob sie das hören wollten oder nicht. Selbst der Postbote wurde nicht von ihrem missionarischen Eifer verschont. Natürlich schwächte sich ihr geistlicher Höhenflug irgendwann wieder ab. Das Trauma des sexuellen Missbrauchs und die daraus folgenden schädlichen Gedankenmuster waren immer noch da. Ihre Macken, Selbstzweifel und Durchhänger ebenfalls. Sie brauchte noch viel Therapie und einen langen Heilungsprozess. Doch dann kam der Schock: Sie war schwanger, obwohl sie die Beziehung mit Jeremy nicht fortsetzen wollte.
Immer mehr Leute rieten ihr: „Pattie, treib ab!“ Sie war richtig schockiert darüber, wie groß der Druck auf sie wurde, diesen Weg einzuschlagen. Morgen erzähle ich in diesem Blog, ob sich Pattie für das Kind entschieden hat.

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