Freitag, 12. Juli 2013

Dem Freunde ein Freund - auch vor Gott!

Ich kenne einen Menschen, ich würde ihn einen Freund nennen, dem ich ein Versprechen gab, das ich nie zuvor jemandem gab und vielleicht nie wieder geben werde. Ein Versprechen vor Gott, vor dem ich dafür einmal Verantwortung geben muss.


Dieser Freund wuchs in einer traditionell katholischen Gegend auf, wo zu dieser Zeit der christliche Glaube noch als Druck-, Zwangs- und Angstmittel missbraucht wurde, um die Leute in eine, von wem auch immer gewünschte, Spur zu bringen. Er selbst ist ein hochintelligenter, sehr künstlerisch begabter Mensch, dem diese Art der Religionsausübung zu recht suspekt und manipulativ erschien, sodass er sich aus diesem System und von Gott verabschiedete, dem er in diesem pseudochristlichen Milieu nie wahrhaftig begegnen konnte. Dazu kam ein Vater, der als schlichter Handwerker mit der hohen Sensibilität und künstlerischen Veranlagung seines Sohnes so gar nichts anfangen konnte. Die Folge war der Kardinalsfehler, den Eltern niemals begehen dürfen, nämlich ihrem Kind ins Gesicht zu sagen: „Aus dir wird nie etwas Gescheites“. 

... dem Freunde einen Freund - auch vor Gott! Photo by OfficeOnline
... dem Freunde ein Freund - auch vor Gott!
Alles weitere war nur die logische Konsequenz aus dem Vorhergegangenen. Sein Selbstwertgefühl blieb auf dem Tiefststand, er arbeitete später in Jobs, weit unter seinem Niveau und seine künstlerische Schaffenskraft dümpelte so vor sich hin..  Der Vater behielt recht.. So ist das leider häufig mit den Prophetien der Eltern.

Und Gott? Na was wohl? Eine den Menschen knechtende und unbarmherzige Kirche, ein despotischer Vater, Gott als der Herr der Kirche und Vater der Menschen. Da muss man nur eins und eins zusammenzählen.

Nun lernte er mich kennen, der ihm im Laufe der Jahre unserer Freundschaft immer wieder erzählt und vorgelebt hat, dass Gott ein liebevoller, cooler, barmherziger und wohlwollender Vater ist. Und schließlich war ihm diese Sehnsucht nach so jemandem, der ihn so liebt, wie er ist, versteht und im Leben fördert nie ganz verloren gegangen. Wie auch, hat doch Gott selbst diese Sehnsucht in unser Herz gelegt, damit sie in Ihm ihre Antwort und Erfüllung findet. Doch gleichzeitig hatte sich in meinem Freund ein Stolz aufgebaut, der ihm sagte, Gott hätte sich zunächst einmal vor ihm zu verantworten für das, was in seinem Leben so alles schief gelaufen ist. Des öfteren habe ich ihm erklären müssen, dass Gott kein Sekretär ist, den man von einem menschlichen Chefsessel aus an den Schreibtisch zitieren kann, damit dieser sich vor uns für alles, was wir nicht verstehen oder Scheiße finden, zu verantworten hat. Gott lernt man kennen, indem man eine vertrauensvolle Liebesbeziehung mit Ihm eingeht.

Doch wie soll ein Mensch Vertrauen entwickeln, der in dieser Hinsicht nur Negativerfahrungen gemacht hat, nämlich dass Vater ihn fallenlässt. Wie soll ein Mensch lieben, der vom Vater nie geliebt wurde. Einem Gott vertrauen und lieben, den die Christen Vater nennen? Wie soll man glauben, wo doch der Glaube nicht etwas ist, dass der Mensch aus sich heraus produzieren kann, sondern ein Geschenk ist, das Gott durch seinen Geist in uns wirkt, so wir es zulassen.

So stand er eines Tages vor mir, in einer Kneipe. Die Tränen rannen ihm die Wangen herunter. Vor allen Anwesenden. Und er fragte mich: „Kann es sein, dass Gott mich nicht will?“. Meine Antwort kam ganz plötzlich, tief aus meinem Herzen, während ich in seine Hand einschlug: „Ich verspreche dir, ich gehe in den Himmel nicht ohne dich." Zu diesem Versprechen muss ich nun stehen, vor ihm und vor Gott.

Seltsam, dass mich dieses Versprechen so gar nicht beunruhigt. Es liegt wohl daran, dass ich Gott als die reinste Liebe erfahren durfte, die mir je begegnet ist, dass ich diese Liebe glauben kann.

Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com

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