Samstag, 20. Juli 2013

Was ist Sünde?

Ich kenne – bis heute – einen Menschen, der sich seinerzeit in der DDR derartig eingesperrt und entmündigt fühlte, dass er eine Grenzüberschreitung wagte. Sein natürlicher Drang nach körperlicher und geistiger Freiheit ließ ihn sein Leben riskieren- das historische Motto jedes Freiheitskampfes: lieber tot als in Knechtschaft leben. 

Aus Sicht des damals herrschenden Regimes war es allerdings Verrat an der, von ihm definierten, Wahrheit des Sozialismus und somit eine schwere Sünde. Sicher, sie verwendeten diesen Begriff nicht, aber er trifft genau, was sie meinten: eine unerlaubte Überschreitung einer vorgegebenen Grenze, ein Angriff auf die herrschende Ordnung. Dieser Mensch ist bei seinem Fluchtversuch erwischt und mit harten Strafen belegt worden; er macht heute eine Traumatherapie.

Was ist Sünde?
Wer den Begriff Sünde heute noch ernstnimmt (es gibt eine unernste Gebrauchsweise: „Ich habe heute 'gesündigt' und mir ein Stück Torte geleistet“), hat ungefähr diese Vorstellung. Da ist jemand, der Regeln aufstellt und wer dagegen verstößt, wird bestraft. Die Regeln mögen gerecht oder ungerecht, zeitgemäß oder auch nicht sein, solange sie in Kraft sind, fordern sie Gefolgschaft. Und wehe dem, der sich nicht daran hält. Der Verkehrssünder erhält Bußgeldbescheide, Punkte in Flensburg, verliert gegebenenfalls seinen Führerschein.

So ist das unter uns Menschen. Auf „Sünde“, also Regelgrenzverletzung, folgt Strafe (sofern ich erwischt werde). So ist auch die Vorstellung von Gott (der uns übrigens immer „erwischt“, denn Er sieht und weiß ALLES). Und ist nicht schon in der Bibel von Lohn und Strafe die Rede? Haben im Laufe der Kirchengeschichte die Leute nicht immer wieder Verhaltens- und Moralregelwerke auf den Markt geworfen und den Leuten Angst mit Höllenstrafen gemacht? Waren diese Regelwerke nicht häufig genug lebens- und liebesfeindlich? Wen wundert es, dass Leute vor so einem Gott, vor so einem Regelwerk davonlaufen und leben, als wäre Gott nicht existent?

Das griechische Wort für Sünde ist Harmatia und meint soviel wie abdriften, am Ziel vorbeischießen. Hier geht es also nicht in erster Linie um die Verletzung eines Moralkodex, sondern darum, am Leben vorbei, dem Leben zuwider zu handeln. Wenn Gott der Schöpfer alles Lebens, ja das Leben selbst ist, so ist Er auch der, der weiß, was Leben ist, wie Leben funktioniert und dauerhaft gelingen kann. Er ist der Geber, Erhalter und Lehrer des Lebens.

Alles, was ein Mensch sagt und tut, hat Einfluss auf sein Leben und nicht selten auf das seiner Mitgeschöpfe. Alles hat aus sich heraus Konsequenzen. Ein freundliches Wort wird ein anderes Ergebnis nach sich ziehen als eine Beleidigung. Ein Kind, das von seinen Eltern geliebt wird, entwickelt sich anders, als eines, dass mit psychischer und körperlicher Gewalt aufwächst. Damit sich menschliches Leben entwickeln und entfalten kann, benötigt es Bedingungen, die lebensfreundlich sind. Sind diese Bedingungen lebensfeindlich, wird es sich und anderes Leben zerstören (unsere Menschheitsgeschichte gibt ausreichend Zeugnis davon).

Wie Eltern, die ihre Kinder lieben, deren Fehler und Vergehen nicht bestrafen, indem sie Vergeltung üben, sondern sie lehren, dass ihr Reden und Handeln sich auf sie und andere auswirkt. Sie werden sich bemühen, sie zu begleiten, ihnen zu helfen, sich zu gesunden, lebensbejahenden Persönlichkeiten zu entwickeln, um lebens- und überlebensfähig zu sein, das eigene Leben und das der anderen zu lieben und zu respektieren.

So ist Gott ein Liebhaber des Lebens, der keine Rache an den „Sündern“ nimmt, sondern zulässt, dass sie die Folgen ihres Fehlverhaltens verantworten müssen. Dem Sünder selbst begegnet Er als der Liebende, der helfen, heilen und neue, bessere Möglichkeiten schenken möchte, lebensschaffend und bewahrend sein Dasein zu gestalten. Wer liebt, schützt den, den er liebt und stellt sich gegen alles, was diese Liebe bedroht. Nicht anders Gott, der Seine Schöpfung und Seine Menschen liebt. Wer dieser Liebe begegnet und vertraut, wird erfahren, dass es nicht um Reglementierung seines Lebens geht, sondern darum, in Freiheit leben und lieben zu lernen. „Wen ich frei mache, der ist wahrhaftig frei", sagt Jesus.

Wer immer du bist, was du getan hast, oder dir angetan wurde, Gott schickt dir keinen „Racheengel“, sondern will dir vergebend, heilend, in Liebe begegnen. Er will dir ein Leben ermöglichen, das Leben ermöglicht. Auf GottinBerlin erfährst du mehr darüber.


Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com

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