Montag, 12. August 2013

Gibt es Himmel und Hölle?

"Wie ist es im Himmel?", wird Brad Pitt gefragt, der den Tod in dem Hollywoodstreifen „Rendezvous mit Joe Black“ verkörpert. Die Frage nach dem Danach beschäftigt jeden Menschen mindestens einmal in seinem Leben.



Für manche erledigt sich die Frage sehr schnell, indem sie sich und anderen die Antwort geben, dass mit dem Tod alles vorbei ist.

„Es beginnt mit mir und es endet mit mir“, hat Karl Lagerfeld für sich entschieden. Vorsichtig Karl! Nicht nur, dass man seine irdische Egomanie nicht auch noch in die Ewigkeit verlagern sollte, man könnte sich selbst eine Wirklichkeit erschaffen, die nicht der Wirklichkeit entspricht. 


Jesus sagt einmal den bedenkenswerten Satz: „Nach deinem Glauben wird dir gegeben." Was wäre also, wenn uns mit unserem Ableben das erwartet, was wir erwarten? Dass der, der Nichts erwartet, im Nichts endet? Interessanterweise macht der Gedanke, dass wir im Sterben zu Nichts werden den Menschen Angst und stellt die Sinnhaftigkeit des Lebens an sich zutiefst infrage. Wozu sich entwickeln, lernen, reifen, wenn das alles am Ende für die Grube ist? Wir sind auf Beständigkeit angelegt.


Erinnerst du dich, wie es war, als du das erste Mal verliebt warst? Es war perfekt und sollte nie mehr aufhören. Dass das Gute Bestand hat, bleibenden Wert in sich trägt, das wünscht sich der Mensch. Deshalb haben wir in unserer Gesellschaft auch so große Probleme mit dem Verlust geliebter Menschen. Dass Liebe stirbt, widerspricht unserem Empfinden total. Nur ein abgeklärter Resignativismus kann sich mit dieser Vorstellung abfinden, indem er den Rest von Kindlichkeit in sich abtötet. Und die europäische Geistesgeschichte der letzten Jahrhunderte hat ausreichend dazu beigetragen. Himmel und Hölle sind nur noch alte verbrauchte Klischees, mit denen heute keiner mehr etwas anfangen kann.

Was jedoch, wenn sie Wirklichkeit sind? Sicher, die Beschreibungen in der Bibel sind sehr bildhaft und haben eine Menge kitschige Vorstellungen hervorgebracht. Doch wie soll man, wie es die Bibel tut, Wirklichkeiten irdisch formulieren, die nicht von dieser Welt sind? Es muss hier, wie so oft, erwähnt werden, dass es bei Himmel und Hölle nicht um moralische Machtinstrumentalien geht, sondern um die Frucht eines menschlichen Lebens. Denn Himmel und Hölle sind bereits im Hier und Heute erfahrbar. Wer das Leben - und dazu gehört auch das Leben des anderen -  liebt und gestaltet, wird das Leben ernten. Wer das Leben an sich reißt auf Kosten anderer und es verunstaltet, wird mit sich allein bleiben müssen. Alleinseinmüssen heißt aber Sterbenmüssen. Denn menschliches Leben ist auf Gemeinschaft angelegt. Und Gemeinschaft kann nur leben und überleben, wenn sie in der Liebe zum Menschen gründet.
  
Leben kann ich nur, wenn da jemand ist, den ich lieben kann. Lieben kann nur, wer geliebt wird. Wer nicht oder nicht mehr lieben kann, lebt nicht, auch wenn er atmet. Die Wurzel der Liebe ist Gott selbst, von dem es heißt, dass wir Ihn lieben sollen, weil Er uns zuerst geliebt hat.


Wie ist es im Himmel? Joe Black´s Antwort gehört mit zu dem Besten, was ich je dazu gehört habe: „Nimm den glücklichsten Augenblick deines Lebens und multipliziere ihn mit der Unendlichkeit und du bist nah dran."


Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com

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