Freitag, 23. August 2013

Für immer und ewig

"Ich mag dich heiraten!" - das verkündete mir vor ein paar Tagen freudestrahlend ein fünfjähriges Mädchen der neuen Erstklässler. Seit kurzem betreue ich sie als Pädagogin im Schulhort einer Berliner Grundschule. 

Für immer und ewig; Photo by ClipArt
Für immer und ewig
Einige Kennenlern-Spiele und Erzählrunden mit mir hatten dieses Mädchen offensichtlich schon nach wenigen Tagen zu der Überzeugung gebracht, mich heiraten zu wollen. Vermutlich wird sie dies im Laufe ihrer Schulzeit doch noch einmal überdenken. Für mich war es ein schönes Feedback, das mich natürlich sehr zum Schmunzeln brachte. Es passiert übrigens gar nicht so selten, dass Kinder diese Formulierung gebrauchen, um anderen - auf den Punkt gebracht - etwas auszudrücken.
Ich denke, im Grunde drückt es nichts anderes aus als: "Ich mag dich", "Ich fühle mich wohl bei dir" oder vielleicht auch: "Ich will einmal so werden wie du." - Aber, warum gleich heiraten?, könnte man sich fragen. Das ist eines der tollen und faszinierenden Eigenschaften von Kindern: Sie übertreiben gerne mal, um etwas auf den Punkt zu bringen – und machen einem völlig selbstverständliche Dinge wieder bewusst, die man als Erwachsener schnell aus dem Blick verliert.

Ehe, das ist die engste Gemeinschaft, die zwei Menschen miteinander haben können. Wenn ich jemanden heirate, dann sage ich wirklich "Ja" zu allem, was dieser Mensch mitbringt, was ihn ausmacht – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nichts drückt das Gefühl einer Zuneigung so sehr aus wie die Bereitschaft, sein ganzes Leben mit einem Menschen teilen zu wollen.

Vielleicht liegt es Kindern deshalb auch so nah, auf diese Art und Weise Zuneigung auszudrücken. Was doch alle Menschen miteinander gemeinsam haben, trotz aller Unterschiedlichkeiten, ist das tiefe Bedürfnis nach Beziehung. Tragfähige Beziehung, in der wir uns wirklich geliebt, verstanden und gesehen fühlen. Warum ist uns Beziehung so wichtig? Ich persönlich glaube, dass Gott dieses Bedürfnis in jeden Menschen hineingelegt hat. Und das nicht ohne Grund. Beziehung verbindet nicht nur Menschen miteinander, sie verbindet uns auch mit Gott.

Wie das gehen soll?
Die Vorstellung, in einer Beziehung zu Gott zu leben, erscheint vielen Menschen fremd und unvorstellbar. Die Beziehung zu einem Menschen können wir konkret erfahren und erleben – aber wie ist das mit einer Beziehung zu Gott? Vielleicht liegt es daran, dass wir mit "Gott" oder "Glauben" häufig etwas verbinden, das sehr weit weg ist von unserem persönlichen Leben. Wir vermuten Gott, wenn überhaupt, dann in einer Art anderen Realität,  die wir nur aus der Ferne erahnen können. Der Gott, den die Bibel uns beschreibt, ist allerdings genau das Gegenteil davon: Er ist uns so nah, dass wir ihn ganz konkret erleben und erfahren können. Eigentlich dreht sich die ganze Botschaft der Bibel im Kern darum: Es geht um Beziehung. Um eine tiefe, von Liebe geprägte Beziehung: Nicht nur zwischen mir und anderen Menschen. Sondern auch und vor allem zwischen mir und Gott.

Als ich meiner seit mehreren Jahren engsten Freundin zum ersten Mal begegnete, war ich mit ihr und einer Gruppe von mehreren Leuten zusammen in einem Raum. Ich bemerkte sie kaum, weil ich mich nur auf die Personen konzentrierte, die ich schon kannte. Bis es plötzlich, nach mehreren Stunden, zu einer Begegnung kam und ich zum ersten Mal überhaupt mit ihr redete. Daraus enstand eine enge, langjährige Freundschaft, die bis heute anhält.

Mit Gott war das ähnlich. Er war zwar schon immer in meinem Leben, aber bis ich ihn erstmal entdeckte, dauerte es eine ganze Weile. Gott drängt sich uns nicht auf, weil er sich wünscht, dass wir aus freiem Willen und mit ganzem Herzen eine Beziehung mit ihm eingehen. Oder, wie es die Bibel an einer Stelle ausdrückt:

"Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat." (1. Joh 4,19)

Er geht immer den ersten Schritt – die Frage ist: antworten wir ihm darauf? Durch die allerkleinsten Erlebnisse und Begegnungen in unserem Alltag klopft er bei uns an. Es ist das schönste Erlebnis meines bisherigen Lebens, zu erfahren, dass es tatsächlich möglich ist: Eine Beziehung zu Gott, die mich trägt und mir Halt gibt.

Im Gegensatz zu jeder menschlichen Beziehung ist diese Beziehung zu Gott wirklich – im wahrsten Sinne des Worte – "für immer und ewig".
Was könnte der erste Schritt sein? Vielleicht bei jedem ein wenig anders. Bei mir war es so: zu sehen, dass er da ist. Mitten in meinem Leben, wo ich ihn am wenigsten vermutete. Wo siehst Du ihn in deinem Leben?

Monika L. für GottinBerlin.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihren Kommentar. Wir werden ihn in Kürze freischalten.
Ihr Gott-in-Berlin-Team