Mittwoch, 28. August 2013

GLAUBE ZUM ANFASSEN


Der Glaube fragt nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan und ist immer am Tun.  Martin Luther (1483-1546)


Es geht in allem immer wieder um unseren „Glauben zum Anfassen“.

In uns, um uns herum - in unserem Kiez, in unserer Stadt, in dieser Welt- unüberhörbar sind die Schreie der Notleidenden, Kranken, Hilfsbedürftigen Obdachlosen- wem schenke ich Gehör? Was braucht mein Gegenüber, dem ich zum Nächsten werden soll? Wir können uns so gewaltig irren, wenn wir nach kurzem Hinsehen zu wissen meinen, was der andere braucht.

Gerade in der sogenannten institutionellen Diakonie, in der Gesundheitspolitik der Bundesregierung, der Bundesländer scheinen zu viele zu genau zu wissen, was der Mensch in Notlagen braucht. In der finanziellen Notlage unserer Krankenhäuser mit der strikten Budgetierung der Kliniken leiden Patienten und Beschäftigte gleichermaßen. Es gibt eine ganz wichtige Klammer zwischen dem diakonischen Handeln des Einzelnen und der Institution, dem Menschen, dem ich zum Nächsten werde, und der organisierten Diakonie. Diese Klammer heißt: Was willst du, dass ich dir tun soll?


Das Kreuz oder Kruzifix im Eingangsbereich des Krankenhauses

garantieren noch keine christlich motivierte und strukturierte Arbeit im Sinne neutestamentlicher Diakonie. Einer soll dem anderen ein Christus werden. Jesu Vorbild bleibt Grundlage für unseren Dienst in der Diakonie.

Offenbar sind wir Menschen von Natur aus alle auf Machtstreben aus. Der Geist des Herrschen- und Großseinwollens macht nicht Halt vor denen, die Gott und den Menschen dienen wollen. Jesus will seinen Jüngern zeigen: Ich bin in die Welt gekommnen, um dem Gesetz des Herrschens und der Macht den Protest der Liebe entgegenzusetzen. Kurz vor der Wende in der DDR war ein anderes Zeichen dem gleichen Geist entsprungen: Die Macht der Kerzen als ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und der Kraft zum Widerstand.


Gott will nicht niederreißen, verdammen, vernichten, sondern helfen und heilen, dass unser Leben gelingt. Der Menschen Melodie heißt: Wir wollen sein wie Gott (Turmbau zu Babel)- oder: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche. Kreuzige ihn… So schreien sie, um selber herrschen zu können. Das ist der Teufelskreis in dieser Welt - bis heute. Dem setzt Jesus und seine Diakonie in allen Formen und Ausprägungen seine Hingabe und Liebe entgegen. Keine Selbstverwirklichung des Menschen hilft aus dem Teufelskreis heraus, auch nicht das höchste Glück des aufgeklärten Menschen, zu sich selbst zu finden (so Immanuel Kant) wird unserem Leben Sinn geben, sondern nur eine Liebeserklärung Gottes hilft weiter: Ich habe Dich je und je geliebt. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Jes. 43,1.

 
Gegen Machtgier und Genusssucht gibt Jesus der Würde des Menschen Priorität, Gott, dem Schöpfer, zu dienen. Damit findet der Mensch zur Würde vor Gott. Diakonie ereignet sich nicht in einer Scheinwelt, sondern inmitten von Krisen und Ängsten der Menschen. Die Liebe der Nachfolgenden ist Liebe zur leidenden Welt (Otto Brüder). Das ist die Platzanweisung für uns. Wir müssen einander stützen - in allen Formen diakonischen Handelns. Der Mensch ist nicht nur in großer Gefahr, sich selbst zu verwirklichen, sondern er wird dabei auch zum Opfer einer krankmachenden Gesellschaft, die durch Eigennutz und Machtgier (siehe Identitätskrise in der Bankenkrise) darauf bedacht ist, immer schneller immer mehr an Macht und Einfluss zu erreichen. Dem setzt das Evangelium eine klares Profil gesellschaftlichen Lebens entgegen- der Nimmmentalität die Gebermentalität, dem Herrschen das Dienen, der Arglist das Vertrauen. 


Mit Jesus in dieser Welt unterwegs sein, das heißt den Platz zwischen allen Stühlen einzunehmen, nicht in den Ehrenlogen unserer Welt. Er bleibt an unsere Seite und ermutigt uns zum Beten und Tun des Gerechten, wie D. Bonhoeffer gesagt und erfahren hat. - So bleibt Jesus Vorbild für unseren Dienst. Er hebt die Spannungen auf zwischen persönlich gelebtem Glauben in der Liebe und den professionellen Dienstleistungen im Gesundheitssystem unserer Gesellschaft.

Dr. Wolfgang Lorenz für GottinBerlin.com

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