Freitag, 7. Februar 2014

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist

Kürzlich war ich in einer ganz schlichten Gaststätte. Da drangen Sprüche in mein Ohr, dass ich dachte, ich wäre Beisitzer eines NPD- Ortsvereinsstammtischs. "Dieses Gesochse, dass zu uns kommt und nur abkassiert", und ähnliche Sprüche bezüglich migranter Menschen, die in unserem Land leben. Da ich selten meine Klappe halten kann und mich dazu äußerte, ließ ich die sich anschließenden  Beleidigungen über mich ergehen. 

Sicher, es gibt Sozialschmarotzer. Überall. Und sicher muss man dem Einhalt gebieten. Doch, alles, was nicht deutsch oder zumindest westeuropäisch ist über einen Kamm zu scheren und als faul und betrügerisch zu bezeichenen ist unterste Schublade. Und, da bin ich mir sicher, wäre der Vorstand der Deutschen Bank in dieses Lokal gekommen, dieselben, die über "diese ganzen ausländischen Parasiten" meckern, wären denen sonst wieweit irgendwo reingekrochen und hätten denen ihre sowieso gewachsten Schuhe nochmal extra blank geleckt.

Gebt dem Kaiser, was das Kaisers ist; Quelle: green-venture.netMit welcherlei Maß messen wir eigentlich? Die größten Moralapostel unseres Volkes fliegen als Steuerbetrüger auf und kommen, wie es den Anschein hat, mit einem "Du! Du! aber nicht noch einmal!", davon. Ist doch schließlich "nur" ein "Kavaliersdelikt". Andere, die noch nicht einmal etwas unterschlagen können, weil sie gar nichts zum Unterschlagen besitzen und hierher kommen, weil sie nicht mal mehr wissen, ob es Not oder Elend ist, was sie hierher treibt, müssen dann als Projektionsflächen unverarbeiteter Agressionen von angeblich redlichen soliden deutschen Bürgern herhalten.

"Was der Ulli aus dem FC Bayern gemacht hat!", na dann, wollen wir mal nicht so sein. "Was die Alice alles für die Frauenbewegung getan hat!", na da dürfen wir ihr doch sowas nicht anrechnen. Sie haben doch nur den Staat beschissen. STAAT... was für ein wunderschön abstrakter Begriff. So herrlich unpersönlich. Ich schlage vor, das Wort Staat abzuschaffen und dafür nur noch von Volk zu sprechen. Denn, der oder die hat das Volk beschissen, klingt doch gleich ganz anders - oder?

Früher gingen die Steuern an den Landesfürsten, den König und letztlich an den Kaiser. Heute sind die Fürsten die Bürger der Kommunen, die Könige die Bürger der Bundesländer und der Kaiser ist der gesamtdeutsche Wahlberechtigte. Ich fürchte, bei dieser Definition bekommt die Großwirtschaft heimlich Lachkrämpfe und eine beträchtliche Anzahl von Politikern lacht duckmäuserisch mit, weil sie auf deren Gehaltsliste stehen. Aber wir haben ja entsprechende Zeitungen, die das Augenmerk der Bürger gezielt auf (neue und vertraute) Feindbilder lenkt.

"Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist", hat Jesus gesagt. Momentan habe ich den Eindruck, beiden wird zuviel unterschlagen. Ein kleiner Tipp: Fang an, Gott zu geben, was Ihm zusteht, dann kommst du beim "Kaiser" erst gar nicht in Versuchung. Oder Kalle, was denkst Du?


Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com


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