Sonntag, 2. Februar 2014

Gott riss die Berliner Mauer ein

Habt ihr schon Wunder Gottes in eurem Leben erlebt? Ich durfte einige erleben. Eines der größten war der Fall der Berliner Mauer, für den wir jeden Sonntag im Gebetskreis meiner katholischen Gemeinde „Maria Frieden“ gebetet hatten.

Ludek Pachmann (This is a file from the Wikimedia Commons
Information from its description page there is shown below.)
Im April 1977 hatte ich das Glück, in dieser Gemeinde den Vortrag eines prominenten Gastes zu erleben. Ludek Pachmann, der bekannte tschechische Schachgroßmeister, war gekommen, um über „Die Menschenrechte im Ostblock“ zu sprechen.
In seinem sehr lesenswerten Buch „Gott lässt sich nicht verbannen“ schildert Pachmann, wie er von einem überzeugten Marxisten zum überzeugten Christen wurde. Er stammt aus einer katholischen Familie, in der Religion jedoch nur fromme Gewohnheit, ein leerer Brauch ohne Leben war: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wahrer christlicher Glaube jemals bei uns diskutiert wurde.“
Pachmann wandte sich deshalb dem Marxismus zu und trat 1945 der Kommunistischen Partei bei. Gerade 25 Jahre alt wurde er zum Leiter des tschechischen Erziehungs- und Propagandaministeriums ernannt. Doch hier erlebte er die nächste Enttäuschung und legte 1952 alle politischen Ämter nieder, um nur noch als Schachspieler und Journalist tätig zu sein. 1967 – und vor allem nach dem August 1968 – engagierte er sich für den „Prager Frühling“ und nahm an Protestaktionen gegen die sowjetische Besatzung teil.
Als Folge davon wurde er im August 1969 verhaftet. Hier im Gefängnis, wo er aufgrund von Folterungen monatelang zwischen Tod und Leben schwebte, fand er zurück zu Christus.
Heute schreibt er: „25 Jahre lang, also genau die Hälfte meines Lebens, gehörte ich einer Gemeinschaft von Menschen an, für die Zukunftsvisionen alles bedeuten, für die das gegenwärtige Leid von Millionen nichts bedeutet, zu jenen, die Hass für höhere Liebe, Gewalt für höhere Freiheit ausgeben... Die höchste Gnade, die Gott der Menschheit schenkt, ist die Tatsache, dass man IHN aus unserem Leben auf die Dauer nicht verbannen kann.“
1973 sah Pachmann – er war inzwischen in den Westen abgeschoben worden – zum ersten Mal die römischen Katakomben: „Da unten fiel mir wieder ein, dass sich das Christentum schon am Anfang seines Bestehens als absolut widerstandsfähig gegenüber jeder noch so brutalen Verfolgung erwies. Ja, sie vermag es noch mehr zu festigen. Die einzige wirklich ernste Gefahr ist Lauheit, Gleichgültigkeit, übermäßige Rücksichtnahme auf weltliche Positionen und Besitztümer und die damit verbundene Abkehr von moralischen Werten und gefährliche Kompromisse in Sachen des Glaubens und Gewissens... Das Christentum ist die einzige, integrierende Kraft der westlichen Zivilisation , die imstande ist, der Expansion der marxistischen Ideologie Einhalt zu gebieten. Die Verteidigung des Glaubens in diesem Jahrhundert ist mit der der Freiheit gleichzusetzen.“
Die Stärkung des Christentums und die Verkündigung des Evangeliums sei der einzige Weg zur Freiheit in Europa, schloss Ludek Pachmann seinen geradezu prophetischen Vortrag. 12 Jahre später fiel die Mauer in Berlin. Schon drei Wochen danach bestätigte kein Geringerer als Michael Gorbatschow indirekt, dass Gott es war, der die Berliner Mauer einstürzen ließ wie die Mauern von Jericho. Er sagte zu Papst Johannes Paul II.: „Ohne Sie, Heiliger Vater, wäre die Berliner Mauer nicht gefallen.“
Der Papst wies dieses Lob zurück und entgegnete: „Es war nicht ich, es war die Hand Gottes, die die Berliner Mauer eingerissen hat.“


Gerhard Lenz für „Gott in Berlin“
(Lehrer an einer kath. Schule in Berlin)
Links: Mehr über Ludek Pachmann

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