Samstag, 22. Februar 2014

Hitler, Kim Il Sung und dann ist da noch Jesus..

Eine Geschichte aus alten Tagen. In den letzten Jahren der DDR waren etliche Nordkoreaner in die marode Wirtschaft eingebunden. Sie waren auf die pseudokommunistische Ideologie eingeschworen und kadavergehorsamsmäßig linientreu. Alle hatten einen Kim Il Sung- Abzeichen auf ihrer Brust. Dieser asiatische Stalin wurde nahezu mit religiösem Eifer verehrt.


Hitler, Kim Il Sung und dan ist da noch Jesus; Quelle: thehobblehead.deviantart.com
Kim Il Sung  1912-1994
Ich hatte mit einigen von ihnen zu tun. Ich trug damals so einen "Jesus lebt" Sticker, womit man in der DDR allgemein als Exot betrachtet, von Parteigenossen als systemfeindlich eingestuft wurde. Wenn schon die SED- Propaganda den Glauben an Gott als zu überwindende frühmenschliche Entwicklungsstufe mit der Marx´schen Formel "Religion ist das Opium des Volkes" diskreditierte und den Schöpfer des Universums angeblich durch die souveräne Arbeiterklasse, in Wahrheit durch einen Partei- und Fahnenkult auszutauschen suchte, war es in Nordkorea noch viel schlimmer. Während sich im demokratischen Südkorea der Christliche Glaube wie ein Flächenbrand ausbreitete, wurde er in Nordkorea unter Strafe gestellt und gnadenlos als Ammenmärchen lächerlich gemacht. (Ansich ein seltsamer Widerspruch: ein lächerliches Ammenmärchen muss man nicht verbieten).

Als mich einer unserer befreundeten Gastarbeiter auf den Jesussticker ansprach und ich ihm erklärte, dass Christus die menschliche Offenbarung Gottes für mich sei, fragte er gestenhaft, indem er die Hände faltete, ob ich denn bete. Ich bejahte und er bekam  einen Lachkrampf. Denn ein Mensch, der betet, war für ihn jemand, der sich mit der Luft unterhält. Ich verwies auf seinen Kim Il Sung- Anstecker und er bekam leuchtende Augen. Daraufhin zog ich ein breites Grinsen auf und gab ihm zu verstehen, dass ich die Anbetung eines Staatsführers für an Lächerlichkeit nicht zu überbieten betrachte. Seine Reaktion war eine doppelte: Er wurde verärgert, denn ich hatte sein "Heiligtum" angegriffen und anschließend nachdenklich. Jedenfalls ist er mir weiterhin freundlich und gelegentlich nachfragend begegnet.

Hitler, Kim Il Sung und dann ist da noch Jesus; Quelle:toonpool.comEinem deutschen Kollegen erging es da anders. Er hatte aus der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" aus einer Karikatur einen Hitlerkopf ausgeschnitten, daraus einen Anstecker gemacht und lief damit stolz wie Bolle vor dem Nordkoreaner herum. Dieser sprach ihn an und fragte, ob das sein Staatsführer sei, was dieser natürlich schelmisch bejahte. Daraufhin tauschten beide ihre Anstecker, sodass der Deutsche Kim Il Sung (lächelnd) und der Koreaner Adolf Hitler (stolz) auf ihrer Brust herumtrugen (man kann sich nicht vorstellen, wie weltgeschichtlich unterbelichtet diese armen Kerle gezwungenermaßen waren- und bis heute sind). Das ging natürlich nicht lange gut und nach wenigen Stunden kam der Gute stinkwütend zu dem deutschen Kollegen, warf ihm den Hitlersticker vor die Füße und rief: "das sein Scheiße!".

Hitler, Kim Il Sung und dann ist da noch Jesus.. Quelle:aref.de"Woran Du dein Herz hängst, das ist dein Gott" sagt Martin Luther. Nun, heute, im Rückblick, bin ich mir sicher, ich hatte den einzigen Sticker auf der Brust, der es wert gewesen war getragen zu werden. Mittlerweile trage ich sowas nur noch selten, aber immer wenn ich Leute mit Brustabzeichen sehe, denke ich: "Hilfe, mit was für billigen Gottheiten sich die Leute so zufrieden geben". Schade eigentlich, dass die Fußballstadien so voll und die Kirchen so leer sind. Hat aber auch viel mit dem Fanclub Gottes zu tun, der sich häufig auf Kreisliganiveau bewegt. 

Wen oder was betest du eigentlich an? Nicht nur auf, sondern in deinem Herzen?


Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihren Kommentar. Wir werden ihn in Kürze freischalten.
Ihr Gott-in-Berlin-Team