Mittwoch, 5. Februar 2014

„Volles Boot“ und bunter Himmel

Ehrlich gesagt, mich nervt die gegenwärtige Debatte um die (angebliche) Einwanderung in unsere Sozialsysteme und die Begrenzung der Flüchtlings-Kontingente. Auf der einen Seite führt man große Worte im Mund („Es gibt keine EU-Bürger 2. Klasse. - Wir müssen eine Willkommenskultur für die Flüchtlinge schaffen.“). Auf der anderen Seite sympathisiert eine nicht geringe Zahl mit populistischen Das-Boot-ist-voll-Positionen wie „die Rumänen und Bulgaren wollen nur unser Sozialsystem ausnutzen“ und „wir haben keinen Platz mehr für die Flüchtlinge“. 

Die Zahlen und Fakten sind eigentlich klar. Zu den Rumänen und Bulgaren: Es gibt seit dem 1. Januar keine nennenswerte Steigerung der Einwandererzahlen - und die große Mehrzahl der Menschen von dort ist in normalen Arbeitsverhältnissen und zahlt in unsere Sozialkassen ein. Ich weiß, es gibt eine größere Zahl von Ausnahmen.
Und zu den Flüchtlingen: Immer noch ist die Zahl etwa der syrischen Flüchtlinge in unserem Land beschämend klein. Jüngste Meldungen sprechen von insgesamt 9 Millionen Syrern, die durch den Bürgerkrieg aus ihrer Heimat vertrieben sind. Haben wir die schrecklichen Bilder der Giftgasopfer und von Lampedusa so schnell vergessen? Würde es unserem reichen und wirtschaftlich gesunden Land nicht gut anstehen, sowohl Bürgerkriegs- als auch Armuts-Flüchtlinge großzügig aufzunehmen? Wovor haben manche Teile der Bevölkerung Angst?

Und sollten Christen und Kirchengemeinden nicht mit Mut und gutem Beispiel voran gehen? Einige tun das schon, immer mehr, Gott sei Dank! Ich will daran erinnern, wie die Bibel die Ewigkeit beschreibt: Der Himmel wird sehr bunt sein; die Erlösten aus allen Völkern, Ethnien und Nationen werden zusammen feiern. Der irdische Leib des Christus kann das schon widerspiegeln. Faktisch tut er es oft nicht. Dass sich mehr Himmel auf der Erde zeigt, darum können wir beten und daran können wir arbeiten. Indem wir persönlich Beziehungen bauen mit Migranten oder Flüchtlingen in unserem Stadtteil. Sie werden sich freuen und wir werden auch profitieren. Wir können wechselseitig lernen. Kulturelle Vielfalt und Andersartigkeit ist immer eine Bereicherung.

Vom 6. bis 8 März gibt es in Berlin eine Konferenz zu diesem Thema.

Das Transforum Berlin unter dem Thema „VEREINTE VIELFALT – Viele Kulturen, eine Stadt, ein Auftrag“. Ein interkulturelles Team bereitet die Konferenz vor. Christen aus den Migrationsgemeinden sind in der Vorbereitung und Durchführung zusammen mit „Altdeutschen“ beteiligt. Das Miteinander der Konfessionen und Generationen ist ohnehin Markenzeichen des Veranstalters Gemeinsam für Berlin. Hinzu kommt bei dieser Konferenz eine stärkere internationale Beteiligung. Partner aus anderen europäischen Städten sind dabei. Die Themen Flüchtlinge, Migration und Integration speilen eine wesentliche Rolle. Die meisten Vorträge und Workshops werden von interkulturellen Tandems vorbereitet. Die Musik ist kulturell vielfältig. Und die Teilnehmerschaft hoffentlich auch. Mehr Infos gibt es hier: www.transforum-berlin.de

Lass dich einladen und inspirieren! Beteilige dich am interkulturellen Austausch auf der Grundlage des Evangeliums, das Herzen und Verhältnisse verändert. Vielleicht gelingt es ja, zur aktuellen Debatte einen konstruktiven Beitrag zu leisten, indem wir Alternativen aufzeigen. Wenn der Himmel bunt sein wird, lasst uns das schon hier einüben!
 

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