Freitag, 7. März 2014

Christus in Uniform

Wen siehst du im anderen?; Quelle: zoonar.deAls Soldat der belgischen Armee arbeitete ich einmal in einem Militärhospital. Die Patienten meiner Station - es waren Herz- und Nierenkranke - wurden betreut von einer älteren Nonne, einer freundlichen aristokratischen Frau.

Ich erinnere mich noch gut an die zarte, vornehme Person und ihre widerspenstige flämische Herde. Doch obwohl sie so wenig zusammenpassten, kamen sie glänzend miteinander aus. Jeder der trinkfesten und ungeschliffenen Soldaten war für diese Nonne Christus. Davon angerührt fragte ich mich, was sie vielleicht damit meine. Ich hätte verstehen können, wenn eine geistliche Frau (ausgestattet mit einem guten Quantum Tugend und einem ausgeprägten Sinn für Humor) gewünscht hätte, diese Männer zu lieben, als ob sie Christus wären. Aber für sie gab es kein >>als ob<<.

Die Sache war klar und einfach. Sie erkannte in ihnen das gleiche göttliche Leben, das in Christus seine Fülle erlangt. Wenn der gewöhnliche Mensch hört, er solle Christus in jedem Geschöpf lieben, sucht er zunächst einmal nach Ähnlichkeit, nach einem gemeinsamen Verhaltensmuster. Und natürlich wird er oder sie sehr bald enttäuscht sein, denn wenige Leute wirken auf uns oder verhalten sich wie Christus. Doch das ist nicht die Perpektive eines geistlichen Menschen auf dem Weg. Für ihn oder sie wird Christus durch die anderen in einem viel tieferen Sinn repräsentiert, denn in ihnen - den anderen Menschen - atmet eben jenes göttliche Leben, von dem Er ganz durchdrungen ist. Zwar haben nur spirituelle Autoren diesen Gedanken entwickelt, aber er gibt sehr genau wieder, wie der christliche Glaube überhaupt die Schöpfung sieht.

Wen siehst du im anderen?; Quelle: blog-netzwerk-c.de
Wen siehst du im anderen?
So kann es nicht überraschen, dass die großen unter den Liebhabern Christi - auch diejenigen, die sich von den anderen zurückzogen - zugleich die Menschen leidenschaftlich liebten. FRANZISKUS VON ASSISI, jener in glühender Liebe mit Christus verbundene Heilige, revolutionierte im Westen sogar die Liebe selbst. Es war das Christentum (was immer wir über seinen Ruf im Verlauf der Geschichte denken mögen), das die Menschen lieben lehrte.



               zitiert aus: Louis Dupre´, Ein tieferes Leben, Die mystische Erfahrung    des Glaubens, Verlag Herder, 2003, von Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com

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