Sonntag, 23. März 2014

Rapper und Nonne: wie Teufel und Weihwasser?

Casting-Shows sind nicht nur im deutschen Fernsehen sehr verbreitet: Top-Models, Bachelors, Supertalente, Dschungelkönige, abnehmwillige "Biggest Loser", die "Voice of Germany", "Voice-Kids" oder Superstars werden angeblich in Deutschland gesucht. Am widerlichsten davon finde ich „Germanys next Topmodels“ und die Sendungen mit Dieter Bohlen, in denen vielfach talentfreie Menschen öffentlich vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben werden.

Wartet auf den Anruf des Papstes:
Schwester Christina
Eine dieser Casting-Shows schaue ich mir allerdings manchmal zusammen mit meiner Frau an: „Voice of Germany“. Hier treten ausnahmslos hervorragende Sangestalente auf. Sie werden auch nicht niedergemacht, wenn sie es trotzdem nicht in die nächste Runde schaffen. Auch das Aussehen und die sexy „Performance“ stehen nicht im Vordergrund, denn in den Anfangsrunden lauscht die Jury nur dem Gesang und kann nicht sehen, wer da singt.

In der italienischen Ausgabe dieses Sendeformats („Voice of Italy“) gab es am vergangenen Mittwoch einen Auftritt, der sich innerhalb weniger Tage 22 Millionen Mal im Netz verbreitete. Die 25-jährige sizilianische Ordensschwester Cristina Scuccia brachte das Publikum schon nach wenigen Sekunden mit dem Song „No One“ von Alicia Keys dazu, begeistert aufzuspringen. Eine „Nonne rockt den Saal“ schrieb die „Frankfurter Allgemeine“.
Alle vier Juroren votierten für die Sängerin und waren zu Tränen gerührt, als sie sahen, wer sie da mit seiner Stimme so beeindruckt hatte: eine junge Schwester aus dem Ursulinen-Orden, die in einem Mailänder Kinder- und Altenheim arbeitet. „Bist du eine echte Ordensschwester?“, war die erste Frage, die ihr von der Jury gestellt wurde. „Aber ja“, antwortete sie, „ich bin hierher gekommen, weil ich eine Gabe habe. Und Gaben soll man teilen.“
Auf die Frage, was der Vatikan zu ihrem Auftritt sage, scherzte sie: „Ich warte auf einen Anruf des Papstes.“ Schließlich habe er dazu aufgerufen, die Klöster zu verlassen, in die Welt zu gehen, um das Wort Gottes zu verkünden. Ob der Papst inzwischen mit der fröhlichen Nonne gesprochen hat, ist nicht bekannt, aber immerhin soll der Vorsitzende des Päpstlichen Kulturrats, Gianfranco Ravasi, bereits seine Bewunderung für die Nonne geäußert haben.
Dabei war Cristina Scuccia früher alles andere als fromm. Wie viele junge Leute hatte sie nach der Firmung mit Kirche und Glauben erst einmal nichts mehr am Hut: "Nach der Firmung war ich weg von der Kirche und ich war wütend auf Gott. Für mich ging es nur um meinen Gesangsunterricht, meine Kurse an der Akademie der Unterhaltung in Catania und um Auftritte mit meiner Band." Das änderte sich erst, als sie von ihrer Mutter gedrängt wurde, in einem Musical die Rolle einer Nonne zu spielen und dabei ihre Berufung entdeckte, "Braut Christi" werden zu sollen. Dabei hatte sie ursprünglich eine berühmte Sängerin werden wollen: "Das war immer mein Ziel und meine Familie hat mich dabei auch unterstützt. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass mir tief drinnen etwas fehlt", sagt Sr. Cristina.

2010 ging sie ins NoviziatDas führte sie zunächst nach Brasilien. Hier arbeitete sie mit Straßenkindern: "Die Musik hat mir geholfen, mit ihnen in Kontakt zu kommen, und ich habe die Musik als eine Möglichkeit entdeckt, den Herrn zu loben, als ein Bedürfnis meiner Seele und als Werkzeug, um Herzen zu berühren", sagte Sr. Cristina. 2012 legte sie die Gelübde der Keuschheit, Armut und Gehorsamkeit zum ersten Mal ab. „Ich habe Jesus geheiratet, aber die Musik ist eine Leidenschaft, die ich teilen kann.“
Am tiefsten berührt von ihr war ausgerechnet der wild tätowierte Rapper J-Ax, der erklärte: „Hätte ich dich sonntags in der Messe singen gehört, als ich jünger war, wäre ich heute Papst!“ Alle vier Juroren rissen sich darum, die Schwester für die nächsten Sendungen zu „coachen“, doch sie entschied sich für den, der am wenigsten zu ihrem Outfit passte: den Rapper J-Ax. „Zusammen sind wir unschlagbar“, jubelte er. „Wir sind wie der Teufel und das Weihwasser.“
Und ich dachte immer, den Teufel könnte man mit Weihwasser vertreiben... :-)
Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)
Nachtrag vom 17.4. 2014: Die italienische Rocksängerin und Ordensfrau Suor Cristina hat die nächste Wettbewerbsrunde geschafft! Unglaublicher Auftritt!! Ihr zweiter Auftritt ist unten zu sehen!






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Ihr Gott-in-Berlin-Team