Freitag, 10. Juli 2015

Der Wein erfreut des Menschen Herz?

So steht es in den Psalmen. Das erste Wunder, das Jesus tat, war Wasser in Wein zu verwandeln. Wein tröstet die zerbrochenen Herzen oder ist ein Sanitäter in der Not, wie es Grönemeyer formuliert. Während in vielen religiösen Kulten und Religionen Askese und Enthaltsamkeit von Alkohol gefordert wird, gilt er dem Christentum als selbstverständliche Beigabe zum Leben. Noah, der Gerechte vor Gott, war der erste Weinbauer auf Erden - und der Erste, der dessen Auswirkung bei übermäßigem Genuss erleben musste (er lag orientierungslos und entblößt im Zelt, was von einem seiner Söhne als tiefe Schande empfunden wurde).

Der Wein erfreut des Menschen Herz?
Segen und Fluch liegen dicht beieinander. In Deutschland sterben jährlich 70.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses. Wie kann etwas, das Gott erschaffen hat, um das Leben zu feiern, der Lebensfreude Ausdruck zu verleihen, töten? Durch Maßlosigkeit! Wodurch entsteht Maßlosigkeit? Dadurch, dass der Mensch sein Maß verliert. Wodurch verliert der Mensch sein Maß? Dadurch, dass er auf sich selbst gestellt das Leben und die Güter des Lebens falsch beurteilt.
Alkoholismus ist nur ein, wenn auch sehr deutliches Beispiel, wohin Maßlosigkeit führt: in Abhängigkeit und schließlich zu einem vorzeitigen Tod. Das meint nicht nur den körperlichen Tod, sondern, was schlimmer ist, den seelischen. Denn der Trinker ersäuft seine Gefühle und Gedanken, entfremdet und pervertiert sie von seinem eigentlichen Sein bzw. Werden. Alkoholismus ist so entsetzlich anschaulich bei einem Menschen, der daran zugrunde geht.
Alkoholismus ist Durst der Seele, nicht Durst der Kehle. Dessen sind sich alle bewusst, die in der Abwehr der Suchtgefahren tätig sind. Aber, was für den Alkohol gilt, gilt für alles, wenn es maßlos wird. Nochmal, Alkohol ist eine gute Gabe Gottes, wenn man klug damit verfährt. In der Maßlosigkeit kann er lebensgefährlich werden, wie alle Maßlosigkeit überhaupt. Durchdenke mal selbst die Themen des Lebens: Sex, Geld, Macht, Nahrung, Spiel etc. Alles sind zum Leben dazugehörende und gute Themen. Doch wenn sie maßlos werden, hat das etwas mit Un-Frieden zu tun. Wer in sich friedlos ist, sucht nach Ersatz - Befriedigung. Und diese Ersatzbefriedigungen, die wir uns dann gesucht haben, werden zur Sucht. Sucht in jeder Form ist zerstörerisch; an sich selbst und an anderen Menschen.
Ersatzbefriedigungen sind immer Ersatz für den wirklichen Frieden. Der wahre Friede lässt jedem und (fast) allem seine Berechtigung. Aber alles an seinem Ort und alles in einem richtigen Maß. Doch der wahre Friede ist nicht von dieser Welt. Aber er will in dieser Welt wirken und heilen. Lassen wir ihn an uns heran und lassen wir ihn an uns zu, den Frieden Gottes, welcher höher ist als alles menschliche Denken verstehen kann. Deshalb, an alle Friedenssucher: Wenn der gekreuzigte Gott das Zentrum unseres Friedens ist, brauchen wir keinen Ersatzfrieden, somit keine Maßlosigkeit. Denn Maßlosigkeit ist immer ein Zeichen von Mangel an Frieden. Er, Jesus aber, ist der, der von sich sagt, dass Er allen Mangel stillt. Nur das kann man nicht einfach denken, Ihn kann man nur ganz persönlich als den Frieden erleben.

Thomas Nachtigall für GottinBerlin.de

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