Dienstag, 29. September 2015

Allein unter Fremden?

Allein unter Fremden?
Das ist man zunächst, wenn man in ein fremdes Land kommt. So ergeht es momentan vielen Flüchtlingen. Sie müssen sich, oft allein gelassen, in einer fremden Welt zurechtfinden. Als Fremde werden sie nun unter uns leben. Empfinden wir hier für uns persönlich irgendwelche Verantwortung ihnen gegenüber?
Nun, zunächst einmal stellt sich ja die Frage zum Flüchtlings-Problem an sich. Das Wort selbst ist schon so negativ intoniert, dass es gleich vom Klang her mitteilt, es geht hier um Menschen, die wir nicht unter uns haben wollen. Aber  die Frage, ob sie kommen stellt sich nicht. Sie kommen; und das ist eine historische Notwendigkeit. 
Ich bin schon damit aufgewachsen, dass es hieß, dass einmal Ströme von Menschen aus Afrika zu uns kommen werden. Dass es passieren muss, wissen wir schon sehr lange. Das ist die Konsequenz daraus, jahrhundertelang einen Kontinent versklavt, ausgebeutet und kolonialisiert zu haben. Ein Kontinent, der sich nie entfalten konnte und aus dem die Menschen im Vollzug des immer deutlich werdenden Klimawandels und der akuten Kriegsgefahren nun zu uns fliehen. Wir ernten, was wir jahrhundertelang gesät haben. Und das jetzt ist erst der Rinnsal eines auf uns zukommenden, vielleicht reißenden Flusses. Doch die, die da kommen sind Opfer. Opfer der Geschichte, der damaligen und heutigen.
Wir müssen uns auf sie einlassen. Wir können das tun, indem wir sie ausgrenzen, ghettoisieren und damit auf Dauer unüberwindliche Probleme schaffen. Oder wir geben ihnen unter uns Lebensraum, nehmen uns ihrer an und helfen ihnen, mit und unter uns zu leben, damit sie wiederum anderen helfen können, in diesem Land klar zu kommen. Wer mit christlichem Blick den Flüchtling sieht, fragt nicht, ob, sondern wie er hier hilfreich tätig werden kann:

PATENSCHAFTEN wären eine Möglichkeit. Deutsche Männer, Frauen, Familien, Christen begleiten und helfen geflüchteten Männern, Frauen, Familien, Christen und Nichtchristen. Hilfe mit den Ämtern, dem Klar-kommen im Alltag, unserer Kultur und wir werden erleben, wie sehr sie uns bereichern mit ihrer Art, ihrer Kultur. Es werden Freundschaften wachsen. Und viele Problem werden sich erst gar nicht ergeben, da sie im Vorfeld ausgeräumt werden. Tja, ihr frommen Leute, wir haben hier viel zu tun. 

Wer will mit anpacken? Flüchtlinge sind Menschen wie Du und ich und hatten keinen Einfluss auf ihren Geburtsort und dessen Umgebung. Sie wurden geprägt. Vielen wurde mit dem Tod bedroht. 

Wollen wir Christen in Berlin eine PATENSCHAFT-KULTUR aufbauen? Nächstenliebe mal ganz praktisch!? Gerade bei den muslimischen Flüchtlingen sollten wir es nicht den islamischen Verbänden und Organisationen diese Aufgabe allein überlassen, die deutsche Werte- und Leitkultur zu vermitteln.

Wie denkt ihr darüber?

Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com
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