Freitag, 29. Juli 2016

Ohne Worte?

Iris B.: "An der Hand".
"Du darfst doch nicht die armen Blinden ausgrenzen!" Das kam immer wieder bei mir an; doch ohne Worte. Hätte man es mir direkt gesagt, hätte ich die Chance gehabt, zu antworten: "Die vielen Migranten ausgrenzen, das ist wohl in Ordnung?!"

Kennen Sie die Goldene Regel im Matthäusevangelium 7,12?

"Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten. "

Mein Fazit ist, dass auch fromme Christen auch nur Menschen sind und es auch mal wichtig ist, konstruktive Kritik an uns zu äußern, besonders wenn es um Streichen von Bibelstellen im Kopf geht.
Das ist zwar gesellschaftlich nichts schlimmes wir Diebstahl oder (schwere) Körperverletzung, doch es ist einfach verletzend, wenn Beziehungen so einseitig sind.
Streiche ich einen Betrag aus einer Rechnung, meldet sich der Rechnungssteller sofort, wenn er die 
Streichung nicht einsieht. Die andere Variante ist, dass der Rechnungssteller mit der Streichung einverstanden ist.

Ist das nicht ein Zeichen, wie barmherzig Gott ist, wenn er uns nicht postwendent wie der Rechnungssteller unter die Nase reibt, dass wir in unserem Leben Teile aus seinem heiligen Wort eliminieren?
Nun komme ich zu den armen Blinden. Durch ein Inklusionsprojekt bekam ich Kontakt zu blinden Menschen. Meine neue Erfahrung war, dass sie mit gemalten Bildern wesentlich unkomplizierter umgehen als viele ihrer sehenden Zeitgenossen. Eine blinde Bekannte von mir malt sogar selber.

Am meisten beeindruckte mich ein blinder junger Mann, der auf dem Louis-Braille-Festival die Beschreibung eines Rembrandt-Bildes vorlas. Dieses Bild selber wird er nie in seinem Leben zu Gesicht bekommen.

Iris B. aus Berlin für GottinBerlin.de

Dienstag, 26. Juli 2016

Mitfahrgelegenheit am Sonntag

Mitfahrgelegenheit am Sonntag
Da habe ich wieder eine günstige Mitfahrgelegenheit erwischt! Der Fahrer fährt von Nürnberg nach Berlin zu einem Preis, den man sich auch als Student leisten kann. Und so hat man dann normalerweise auch die Mehrheit dieser “Spezies” an Bord.
Der Fahrer selbst steht seit nicht allzulanger Zeit im Berufsleben. Nachdem wir uns austauschen über dieses und jenes (man nennt es Small-Talk), kommen wir irgendwie auf das Thema Sonntag zu sprechen.
Er ist empört darüber, dass ihn die Kirchenglocken am Sonntagmorgen regelmäßig aus dem Tiefschlaf reissen, sich aber andererseits Anwohner beschweren, wenn nach Mitternacht die Polizei alarmiert wird, nur weil die “Mucke” angeblich zu laut sei.
Dafür hat er überhaupt kein Verständnis.
Dann meckert er weiter, und fragt sich, warum nicht jeder Sonntag zum verkaufsoffenen Sonntag erklärt wird– schließlich hat man da endlich mal Zeit zum entspannten Shopping.
Ich frage ihn, warum er dass denn nicht am Samstag machen würde.
Da war kurz Stille – aber nur um kurz Luft zu holen und dann im vorwurfsvollen Ton zu antworten: “Da muss ich mich doch erholen von Freitag Nacht. Den Tag brauche ich zum Ausschlafen!
Im Stillen rechne ich kurz: ca. 1,5 Tage zum Ausschlafen. Das große Schlafbedürfnis auf der einen Seite und das intensive und laute Feiern auf der anderen Seite ist in unserer westlichen Gesellschaft grundsätzlich kein Problem – nur mit den Zeiten hapert es, da hat sich was verschoben.
Ich erkläre ihm, dass ich auch zu dieser Sorte Mensch gehöre, die sich gerne am Wochenende erholt: ich geniesse es, dass es einen Tag in der Woche gibt, an dem es etwas ruhiger zugeht, z.B. weniger Verkehr in der Stadt (keine LKWS) und vor allem keine gestressten Einkäufer an einem vorbeirasen, die Konsumgier ist für einen Tag in der Woche etwas gebremst. Außerdem habe ich endlich Zeit für die wirklich schönen und wichtigen Dinge: ich treffe Freunde, lese ein Buch, gehe in die Kirche, habe dort Gemeinschaft mit Gott und Mensch, oder bin mit dem Rad auf einer längeren Tour unterwegs.
Mein Fahrer kommt etwas ins Nachdenken und ist plötzlich still. Ich erwarte wieder einen verbalen Gegenschlag. Allerdings ist er dieses Mal etwas leiser und sagt nachdenklich: aus dieser Perspektive habe ich den Sonntag noch nie gesehen. Stimmt, eigentlich ist das ganz angenehm, dass es in der Stadt ruhiger ist. Und auch, dass nicht so viele arbeiten müssen. Wenn es den Sonntag nicht mehr gäbe, wäre die Welt wahrscheinlich anders.
Ich lehne mich entspannt in den Sitz zurück und bin froh, einen Sonntags-Ingnoranten zum Nachdenken gebracht zu haben und den Sonntag mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Die Sonntagsfahrt hat sich also nicht nur verkehrstechnisch oder auch in finanzieller Hinsicht gelohnt…vielleicht gibt es künftig wieder einen Menschen mehr auf dieser Welt, der den Sonntag heiligt, also ihn anders lebt als die restlichen 6 Werktage und ihn als Geschenk Gottes annimmt, zur Ruhe und Erholung und um die intensiver zu treffen, für die man sonst nicht viel Zeit hat.
Jutta Lörler Berlin-Märkisches Viertel für GottinBerlin.de
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Freitag, 15. Juli 2016

Die Obrigkeit im Fadenkreuz

Die Obrigkeit im Fadenkreuz
Die Bewaffnung der Welt schreitet voran. 
"Wirtschaftliche Gesichtspunkte" haben den Waffenexport aus Deutschland mehr als verdoppelt. Es wird überall auf der Welt gekämpft und zerstört. Auch Unschuldige werden getötet.  Doch die Qualität der Kämpfe hat noch eine andere Wendung genommen:  Zusehends mehr gerät auch die Obrigkeit in Beschuss.  
Fünf tote Polizisten in den USA, Dutzende verletzte Polizisten in Berlin.  Die Schuldigen,  die Demonstranten, meinen in Berlin, sie kämpfen für eine gerechte Sache. Die Polizei aber wird nicht mehr als neutraler Freund und Helfer gesehen, sondern als solche, die für die falsche Seite Partei ergreift.

Den Menschen fällt es auch immer schwerer, demokratische Mehrheiten zu akzeptieren. Wahlen werden angefochten, Verträge werden immer weniger eingehalten, Waffenruhe wird brüchig, den Brexit versucht man rückgängig zu machen. Bereits bei der Abstimmung zu Stuttgart 21 fiel es den "Unterlegenen" schwer, das Resultat zu akzeptieren. Sie sind auch heute noch nicht von der "Richtigkeit" überzeugt. Immer mehr "kämpfen" einzelne Menschen gegeneinander, nicht nur Völker oder Volksgruppen.

Wenn ich in meinem Staat die demokratischen Regeln nicht mehr akzeptieren kann, wenn ich will, dass meine Vorstellung von Demokratie und Abstimmung durchgesetzt wird, trage ich zur Entwicklung einer Rechtsdiktatur im Lande bei. 
Die Bevölkerung wünscht sich dann den starken Mann, der endlich "wieder Ordnung in dem selbst erstellten Chaos schafft." Wir müssen als Gesamtvolk wieder erkennen, dass demokratische Freiheit im Gegenzug Verantwortung von uns verlangt. Freiheit ist also doch ein leicht zerbrechliches Gut. Wenn wir Freiheit missbrauchen, wenn wir sie zur Willkür nutzen, wenn wir Freiheit mit " alles ist erlaubt " verwechseln, gehen wir zu freizügig mit ihr um, dann werden nicht nur Frauen zu Freiwild, auch Polizisten, Richter, Lehrer und Politiker. Dann sind bald Übergriffe, Todesdrohungen und Hinrichtungen auch in unserer Demokratie an der Tagesordnung. 
Eine Meinung zu äußern ist heute schon nicht ohne Folgen. Die Wahrheit wird mehr und mehr unterdrückt. Die Angst macht sich breit. Der Wunsch nach Selbstbewaffnung keimt immer stärker. Alle moralischen Barrieren werden dann maßlos überschritten. Eine Demokratie kann das dann nicht mehr bewältigen. Es kommt unweigerlich zur Diktatur, die niemand will. 

Deshalb: Akzeptieren wir  demokratisch getroffene Entscheidungen. Respektieren wir von der Obrigkeit eingesetzte Autoritäten ( Polizei, Gerichte, Bürgermeister, Politiker, usw.). Akzeptieren wir demokratische Mehrheitsentscheidungen, auch wenn sie uns gegen den Strich gehen. 

Der Apostel Paulus sagt im Neuen Testament: "Seid untertan der Obrigkeit, dann geht es euch gut im Lande." Natürlich handeln Autoritäten nicht immer vollkommen, dennoch müssen sie akzeptiert und auch respektiert werden. Denn eines Tages brauche vielleicht ich mal deren Hilfe. Ob sie dann noch helfen wollen, wo sie zur Zeit fast täglich eine von der linken Szene und von der rechten Szene auf die Backe kriegen?
Mach also nur noch friedliche Demos mit, und mach bitte den Mund auf, sollte die Situation wieder mal eskalieren.

Wezi für GottInBerlin.com
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Mittwoch, 6. Juli 2016

Unberufene Missionare

Unberufene Missionare

Mit Gottesdiensten ist es wie mit Musik. "Super" oder "so lala" oder "grottenschlecht". Letzteres erlebte ich kürzlich. Wenn ich selbst nicht predige, gehe ich immer mit der Haltung eines Atheisten in den Gottesdienst. Ich schaue und höre, wie jemand, dem das Christentum komplett fremd und neu ist. An diesem Sonntag war ich, soweit ich das überblicken konnte, glücklicherweise der einzige Pseudoatheist. Denn wäre ich wirklich einer, ich hätte nie wieder eine Kirche betreten.

Zum ersten war es eine Einmannshow. Einer, der als einziger im gesamten Gottesdienst redet. Und wie nach der alten Regel, dass je länger einer redet, umso weniger hat er zu sagen, war es hier noch schlimmer. Er maßte sich eine ungeheure Autorität an, so dass sich jeder als ein kleines Würstchen vorkommen musste. Und als er dann fertig war, hätte man sich, so man ihn ernst genommen hat, nicht mal mehr als Würstchen, sondern nur noch als Würstchenpelle fühlen müssen.

Da wurde über unser Land geredet, als würden hier nur Teufel leben. Und die paar Christen hier sind lahm, Gott ungehorsam und jeder Anwesende, der sich bis dato als Christ empfand, bekam den Eindruck, er müsse sich ersteinmal bekehren. Nur sich selbst hat er natürlich dabei ausgenommen. Und dann auch noch, als wäre der von Pegida, die große Gefahr der Islamisierung Deutschlands. Denn, es leben ja hier 5000 000 Muslime, aber, so seine Einschätzung, wenn überhaupt, nur 800 000 Christen. Ja, ja und diese ganzen Muslime hier wollen uns mit der Sharia und dem Dschihad überrollen. Diese Predigt war ungebildetes, geistloses Gequatsche. Hinterher sagte ich nur zu jemanden: Wer hier nicht depressiv hergekommen ist, müsste es jetzt spätestens sein.

Mann, da müht man sich ab, Leuten mit Geduld, Zuhören, angenehmer Gemeinschaft in voller Akzeptanz ihrer Lebenswirklichkeiten für den Christlichen Glauben zu interessieren und alte Klischees auszuräumen und dann kommen solche unbarmherzigen Dummschwätzer daher, die alle verdammen, die nicht in ihrer enggeistigen Kanalisation mit schwimmen. Es gibt sogenannte Missionare, die sich mit einem Sendungsbewusstsein berufen fühlen und nur Schäden anrichten. Nicht nur, dass sie sich, wenn man ihnen zuhört, als theologische Nieten erweisen. Sie sind es auch noch in der Ausprägung ihres Charakters.

Lieber Christ, lieber Ungläubige, wenn dir so jemand begegnet sein sollte oder begegnet, fliehe, hau schnellstmöglich ab und sage Dir, das, genau das ist das Gegenteil von Christlichem Glauben. Gott ist pure Liebe! Und mit dieser Liebe, nur mit ihr begegnet Er den Menschen bzw. will ihnen begegnen. Mit diesen, ich gebe es zu, zornigen Tönen bitte ich alle, die unseren Jesus lieben, solchen Leuten Einhalt zu gebieten.

Ich bin in fünf Gemeinden predigend unterwegs. Ich kann bezeugen, dass es ungeheuer warmherzige, liebevolle und den Menschen aufrichtende Gemeinden gibt. Für solche Kirchengemeinden möchte ich Werbung machen, denn sie sind die wahrhaft berufenen Missionare. Wenn Du keine kennst, dann schreibe mir.
Thomas Nachtigall, Berlin-Lankwitz für GottinBerlin.de

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