Samstag, 12. August 2017

Versöhnung statt Verhöhnung

Wenn mich jemand verletzt, kann ich mein Gegenüber nur noch im Licht seiner Verfehlung sehen. Ja, überhaupt sehe ich diesen Menschen dann nur noch im Licht seiner Schwächen und Fehler. Die guten Erfahrungen mit ihm verblassen bis zur Unkenntlichkeit.
Versöhnung statt Verhöhnung

Ursache

 

Ich hatte Streit. Mit einem Menschen, der mir sehr am Herzen liegt. Ich muss auch gestehen, dass ich das ausgelöst hatte. Wie schnell ist man mit Worten, wo man einfach mal die Klappe halten sollte. Einmal ausgesprochen, lässt sich schwer wieder zurück rudern. Die Zunge sitzt locker. „Das Wort manifestiert“ hat mal jemand gesagt. Soll heißen, die gesprochenen Worte schaffen Wirklichkeit. Dass Worte verletzen können weiß wohl jeder. Die Worte verklingen, aber die Verletzung haftet an. Und diese Verletzungen werden ganz subjektiv persönlich empfunden. Egal, welche Absicht ich mit meinen Aussagen hatte, wie sie beim Gesprächspartner ankommen liegt nicht in meiner Macht. Ich wollte das Gute und erreichte das Gegenteil. Ich musste das mal wieder erleben.

Erste Phase

 

Rückzug und Grollen. Wenn mich jemand verletzt, kann ich mein Gegenüber nur noch im Licht seiner Verfehlung sehen. Ja, überhaupt sehe ich diesen Menschen dann nur noch im Licht seiner Schwächen und Fehler. Die guten Erfahrungen mit ihm verblassen bis zur Unkenntlichkeit. Das habe auch ich bei diesem Menschen ausgelöst. Insofern bekam ich die Retourkutsche, die mich in den dunkelsten Farben des Menschsein malte. Ein Fremder hätte mich mit diesen Aussagen nur noch als übelstes Exemplar der menschlichen Spezies sehen können. Also war meine Reaktion erstmal abwehrend, selbstrechtfertigend und auf Gegenklage ausgerichtet. Dementsprechend drohte der Graben immer größer zu werden. Eine noch mögliche Kommunikation drohte endgültig zu scheitern. „Jeder ist für sich im Recht, hat für alles eine Erklärung“. So sind wir Menschen leider.

Zweite Phase 

 

Dass diese überhaupt zustande kam, zeugt trotz der unangenehmen Umstände, von gewisser menschlicher Reife. Wir schafften es, vom unmittelbaren Krisenherd Abstand zu gewinnen und aus der Hubschrauberperspektive mal auf die Gesamtgeschichte unserer Verbindung zu sehen. Und da fiel auf, dass da soviel Gutes zwischen uns passiert ist, dass unser Konflikt sich nur als kleines Gegengewicht darstellen konnte. Wir konnten das Positive würdigen und gewannen von daher auch die Freiheit uns selbst kritisch wahr zu nehmen. Aus der Selbstrechtfertigung wurde das Eingeständnis begangener Fehler. Wir alle hauen daneben, wir alle benötigen Vergebung und Barmherzigkeit; selbst der größte Atheist. Doch das war vielleicht unser Vorteil: wir betrachteten das vor Gott und wollten nicht mehr „recht“ voreinander haben. Denn würde Gott so drauf sein wie wir uns anfangs verhalten hatten, wir wären am Arsch.

Quintessenz

 

Wir konnten uns versöhnen. Wir haben uns selbst und den anderen ein Stück besser kennen gelernt. Und ich habe den Eindruck, dass wir uns jetzt näher denn je sind. Was Aufrichtigkeit und Selbstkritik doch bewirken können. Im menschlichen Miteinander muss es auch mal blitzen, donnern und man bekommt ne kalte Dusche. Aber so, wie nach einem Gewitter die Luft reiner und frischer ist als zuvor, so sollte es auch zwischen uns Menschen sein. Vergebung und Versöhnung haben etwas so befreiendes. Und das ist so sehr viel besser als in einer Dunstwolke der Feindschaft und Ablehnung gegen den anderen zu leben. Das hat uns Gott in Jesus vorgelebt und von Ihm können und sollten wir ein Leben lang lernen.
Thomas Nachtigall, Berlin-Lankwitz für GottinBerlin.de
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